Einzeiler
Viele verstecken hinter dem Wort Optimismus in Wirklichkeit nur ihre Naivität und den Realitätsverlust.
©Jessy
Viele verstecken hinter dem Wort Optimismus in Wirklichkeit nur ihre Naivität und den Realitätsverlust.
©Jessy
Seit fast zwei Jahrzehnten kämpfe ich mit meinem Körper. Mal ließ ich ihn hungern, dann gab ich ihm Nährstoffe, um sie direkt danach den Ablussrohren zu übergeben, und in anderen Zeiten stopfte ich ihn so lange mit Nahrungsmitteln voll, bis ich das Gefühl hatte, taub zu sein. Wenn das Gefühl der Taubheit zu groß wurde, floss Blut über meine Arme, um sicher zu gehen, dass ich noch zu Gefühlen in der Lage war. Die letzten Jahre waren solche “tauben Jahre” und mein Körper wandelte sich zu einem Panzer.
In meinen Träumen bin ich oft geflüchtet in die Vorstellung hüllenlos zu sein - einfach als Seele herumschwirren und unsichtbar sein.
Erst vor ein paar Wochen habe ich in einem inneren Dialog erarbeitet, dass mein Körper kein Feind ist. Ich gab immer ihm die Schuld für die Schmerzen, dabei war er es, der sie für mich ausgehalten hat. Im Grunde sind wir Verbündete und es ist unfair ihn noch für seine Loyalität zu strafen. Der Körper ist mit seinen Organen in der Lage das Leben in dieser Welt zu beenden, aber er hat weiter gekämpft und die Seele beherbergt.
Was bedeutet das für mich? Es bedeutet, dass mein Körper und ich gerade eine Art Paartherapie machen und versuchen uns auszusöhnen. Ich will lernen ihn zu pflegen, ihn zu umsorgen und ihn anzunehmen - ihm keine Vorwürfe mehr zu machen. Der Panzer darf etwas dünner werden, weil das Selbstbewusstsein wieder Kräfte gesammelt hat, um eine kleine Schutzfunktion zu übernehmen.
Ich möchte lernen Freundschaft zu schließen.
Kleine Maus…
drei Wochen ist es jetzt her, dass wir dich gehen lassen mussten.
Im Oktober 2009 habe ich dein Foto gesehen. Sofort war ich hin und weg und wusste, dass du zu uns gehörst. Dein Blick war total leer und verängstigt. Du hast dich gut an den Tierheimalltag gewöhnt in den sieben Jahren, aber ein zu Hause und die große Welt außerhalb des Tierheims hast du nie kennen gelernt.
P. und ich unterhalten uns öfter über unsere ersten Tage. Wie wir nachts um 3.00 Uhr bis ins Feld laufen mussten, damit du dich endlich lösen kannst. Auf der Straße hinsetzen, wo Autos standen und Laternen leuchteten ging gar nicht. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass uns das Spaß gemacht hat im tiefsten Winter
Aber du warst Teil unserer Familie und so mussten wir eben anfangen…
Aus dem Hund, der aus Sicherheitsgründen nur an einer Metallkette geführt werden sollte, wurde ein Hund, der Freilauf genießen durfte. Es war so schön zu beobachten, wie sich deine Ängste minderten und du in anderen Punkten keine Kompromisse eingehen konntest. Das hast du mich gelehrt: Es ist im Leben so, dass nicht alles geht und jeder von uns hat seine Grenzen und es ist wichtig diese zu wahren.
In meinem Leben habe ich mir immer wieder gewünscht, dass mich jemand so annimmt, wie ich bin. Mit allen Ängsten und Schwächen. Diesen Menschen habe ich in P. gefunden und als ich dich kennen lernte, war ich überzeugt dieses Gefühl nun an ein anderes Lebewesen weitergeben zu können. Viele Menschen sind an dir vorbeigegangen oder haben sich abschrecken lassen, dabei warst du ein Traumhund.
Durch dich habe ich sehr viel gelernt und du hast trotz deines fortgeschrittenen Alters noch viel von uns gelernt. Du fehlst mir auf unseren Spaziergängen und deine Ruhe fehlt hier zu Hause. Ich weiß, dass du immer bei mir bist und wir uns nun näher sind, als hier auf dieser Welt jemals möglich war, aber dennoch tut es weh. Ich hätte mir gewünscht, dass du irgendwann ermüdet einschlafen darfst. Natürlich weiß ich, dass du die 2 1/2 Jahre in vollen Zügen genossen hast und ich gebe mir auch Mühe, das ganz nach vorne zu stellen.
Mir kullern die Tränen, obwohl ich dir versprochen habe, dass wir lächeln werden, weil die Zeit mit dir so schön war. Ich spüre dich jeden Tag und wenn ich deine Fotos anschaue, erinnere ich mich an jedes Hundegrinsen in deinem Gesicht.
Kleine Mira… wir sehen uns wieder und dann rennen wir wieder gemeinsam durch die Felder…

Ich kann mich einfach nicht an die Stimmungsschwankungen gewöhnen. Heute mittag war ich noch total zuversichtlich und jetzt sitz ich da und denk: “Wohin geh ich eigentlich?”
Innere Dialoge werden nahezu automatisch abgespult und ich fühl mich völlig unbeteiligt. Natürlich weiß ich, dass gute und schlechte Stimmungen dazu gehören und “normal” sind, aber die doch spontanen Wechsel, sind nicht einfach anzunehmen.
In der Thera ging es heute um kleine Schritte und Geduld; um das Betrachten von weiter weg, damit die Dinge (und Menschen) nicht so groß wirken. Die Theorie erscheint so logisch und klar, aber in der jeweiligen Situation sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Immer wieder gegen die innere Stimme aus alten Zeiten zu kämpfen, ihr zu widersprechen, kostet enorm viel Kraft. Ja, natürlich… alles wird gut! Nur solange es wird, kann es nicht sein und die Zwischenzeit verkommt manchmal zur Qual. Alles hat auch etwas Positives, ja… so ist das wohl.
Ich lerne, ich lebe, ich kämpfe….