Archiv für Juli 2008
Noch auf die Schnelle…
Heute war ich noch schnell in einer “Amtsstube”, um mir zum letzten Mal einen “ordentlichen” Personalausweis ausstellen zu lassen. Mein erst vor Kurzem geänderter Pass fand sein Ende in den Tiefen meines Chaos und somit werde ich für weitere zehn Jahre ohne biometrische Daten und Fingerabdrücke auskommen.
Vielleicht möchte der ein oder andere ja auch noch dieses Jahr den letzten “Anti-Schäuble-Ausweis” herstellen lassen?
Mit Freude durfte ich heute feststellen, dass meine liebste Baguetteria nun ein offizieller Raucherclub mit bereits 750 Mitgliedern ist. Juhu! Es bleibt zu hoffen, dass dieser gemütliche Raucherclub auch weiterhin bestehen darf. Für Herr und Frau Baguette-Hersteller dürfte es sonst den finanziellen Ruin bedeuten. Schließlich gibt es genügend “Freiluft-Alternativen” in der Innenstadt :(
Außerdem möchte ich noch schnell einen Filmtipp einwerfen:
Free Rainer - Dein Fernseher lügt!
Und mich dann wieder auf meine Bücher stürzen… do svidaniya…
Es ist nicht Recht…
Die Fahrt im Abteil Berthold Brecht
Einer stieg in einen vollen Zug, in dem die Reisenden gepfercht standen wie die Heringe und öffnete ein Abteil. Die Türe wurde von innen zugeworfen. Der Mann schlug sie wieder zurück und sah einen dicken Mann mit zwei Frauen sitzen, die Kinder auf dem Schoß wiegten. “Machen Sie zu”, sagte der dicke Mann erbittert. “Kriegsverletztenabteil.” Der Reisende stand einige Zeit wie ein Hering im Gang, mit der Aussicht auf zwei Stunden; dann schob er mit angestrengter Hand die Tür wieder auf und sagte: “Haben Sie Papiere? Hier sind leere Plätze. Entschuldigen Sie!” Der dicke Mann stand immer auf, wenn die Tür aufging. Warum, war nicht einzusehen. “Hier können Sie nicht herein”, sagte er. Der Reisende sah ihm ernst ins Gesicht, er war ein junger Mann, und sagte: “Sehen Sie nicht ein, daß das eine Rücksichtslosigkeit ist?” Der dicke Mann wollte die Tür schließen. Aber der junge klemmte seinen Fuß ein. Es war ihm nicht wichtig hineinzukommen, um zu sitzen, aber die Leute drinnen befanden sich im Unrecht, und es sollte ihnen nicht hinausgehen. Das verlangte das Gerechtigkeitsgefühl des jungen Menschen. “Ich setzte mich hier”, sagte er. “Tun Sie den Karton weg!” Der dicke Mann stand wieder. Er hatte geradezu Schweißperlen auf der Stirn. “Haben Sie ein Mitleid mit den Frauen”, sagte der dicke Mann. “Es sind auch Kinder dabei, die gewiegt werden müssen!” “Soll ich hier stehen?” fragte der junge. “Ich kann ganz gut stehen, aber ich will nicht. Es ist nicht recht.” Der Dicke machte einen letzten Versuch: “Es wird Ihnen nicht so gefallen. Die Kinder weinen immer.” Der junge Mann setzte sich. Es ward nicht gemütlicher. Das Abteil lag halbdunkel, die Frauen wiegten ihre Bälge, und die schrien wie am Pfahl. Aber der junge Mann frohlockte im Innern, weil das Recht gesiegt hatte. Er blieb sitzen, bequem sitzen bis zur Endstation.
Drei Tage später erkrankte er an Scharlach und wurde nie mehr gesund. Die Leute im Abteil waren mit Kindern gefahren, die Scharlach hatten.
(Bertolt Brecht. Gesammelte Werke Band 11: 18-19. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1967.)
Das Sprichwort: “Der Klügere gibt nach!”, scheint in unserer Gesellschaft keinen großen Stellenwert mehr zu haben. Jeder pocht auf sein Recht und kämpft beharrlich für dasselbige. Nachbarn streiten um 2 cm Gartenzaun; Eheleute, über den 10 Jahre alten Küchentisch; Kinder, um das bessere Spielzeug und Partner, um die besseren Argumente . Recht bekommen und behalten scheint wirklich wichtig zu sein. Oft hängt “Recht haben” mit “Materiellem” zusammen. Das Eigentum - Der Schatz.
Ich habe ebenfalls mal viel Wert auf mein Recht gelegt. Bestand auf Genauigkeit und verteidigte mein Recht und das, was in meinen Augen “rechtens” war.
In diesem Moment huscht ein kleines Lächeln über meine Lippen. Ich muss tatsächlich lächeln, weil ich in den letzten zwei Jahren gelernt habe, dass fünfe auch mal gerade sein können. Und meine größte Hilfe bei dieser schweren Aufgabe war unser Hund :) Durch ihn habe ich gelernt, dass der Fehler meines Denkens in der Interpretation meiner eigenen Person liegt. Um über Fehler anderer hinweg zu sehen, muss man sich der eigenen bewusst sein. Ich glaube, dass “nachgeben” einer gewissen menschlichen Größe bedarf. Mir würden einige Zentimeter sicherlich noch gut tun :)
Wenn so mancher im Privaten nur halb so oft das Auge zudrücken würde, wie er es bei Politikern und Menschen der Öffentlichkeit tut, wär so mancher Herzspezialist zum Umschulen gezwungen und viele Anwälte arbeitslos.
In diesem Sinne: Schönen Sonntag und…
Euer euch immer liebender Flachsi…
Vielleicht ist es nötig den Tieren eine Sprache zu geben, um zu verstehen, wie viel Leid sie durchleben müssen. Schmerz und Angst sind Gefühle, die uns mit allen Lebewesen vereint. Jeden Tag sollten wir uns das bewusst machen.
