Sammy

Über Sammy kann man eine ganze Menge berichten :) Wir haben ihn im Februar 2007 aus dem Tierheim Essen in unsere kleine Familie geholt. Im Dezember 2006 wurde er, laut Impfausweis, geboren. Seine Rasse ist unbekannt. Wir vermuten einen Spitz in ihm. Zum einen der Optik wegen, zum anderen weil er viele Eigenschaften besitzt, die man dem Spitz nachsagt. Ursprünglich bekamen wir ihn als Husky-Schäferhund-Mischling *gg* Offensichtlich ist diese Mischung nicht zutreffend *lach* Letztlich ist es uns auch egal. Ich hab mich von Anfang an in seine Fröhlichkeit verliebt.
Sammy ist wirklich ein fröhlicher Hund. Er wirkt immer, als würde er lächeln. Seine Fröhlichkeit springt sehr schnell in „übertriebene Freude“ um, da er schnell „hochfährt“. Er ist wenig stressresistent und sein Stresspegel wirkt sich sofort auf sein Verhalten aus. Man kann ihn also sicherlich nicht als souveränen Hund bezeichnen :) Er ist aber schon viel ruhiger geworden. Er beruhigt sich schneller wieder und ist ansprechbarer.
Im Umgang mit diesem Problem haben wir viel lernen müssen. Man kann nur vermuten worin dieses Verhalten begründet ist. Sammy war vorher in einer Familie mit zwei Kindern und ist schon mit ca. 3 ½ Monaten in unsere Familie gekommen. Er muss also relativ früh in seine ursprüngliche Familie gekommen sein, da die Zwischenstation Tierheim „auch noch“ zwei Wochen andauerte. Seine ursprüngliche Herkunft ist unbekannt. Er hat also in dieser sehr wichtigen Phase viel erlebt. Sammys Unsicherheiten waren schon am ersten Tag nicht von der Hand zu weisen, sind aber von uns nicht richtig erkannt worden. Wir wussten einfach nichts über Entwicklungsphasen und Verhalten. Alles Neue bereitete ihm Unbehagen. Verstellte Mülltonnen wurden angebellt, Rollstühle, humpelnde Menschen, Schatten werfende Gegenstände auf der Straße, Blumentöpfe… die Liste kann man ewig weiterführen. Für ihn waren diese Dinge „Monster“ und er hat versucht sie durch Bellen auf Abstand zu halten. In diesem Punkt sind wir glücklicherweise von Anfang an konsequent in die richtige Richtung gegangen.  Dies ist der Grund, warum Sammy heute nur noch ganz ganz selten auf solche Dinge reagiert. Heute traut er sich aber zum Erkunden auch alleine hin.

Schwieriger gestaltete sich der Umgang mit seiner Leinenaggression. Zu Anfang haben wir ihm soviel Hundekontakt wie möglich verschaffen wollen. Wir sind zu jedem Hund gegangen, da Sammy, unserer Meinung nach, Aufholbedarf hatte. Letztlich führte das zu Frustration, wenn wir mal nicht zu einem Hund gegangen sind. Hier kamen wir ins Spiel. Das Frustrationsbellen wurde bestraft. Zusätzlich wurde Sammy mehrere Male an der Leine von frei laufenden Hunden „attackiert“. Es ist nie wirklich etwas passiert, aber für Sammy müssen diese Erlebnisse einschneidend gewesen sein. Er versuchte nun Hunde durch frühzeitiges Bellen (Distanzen von 50-100 Meter) auf Abstand zu halten. Er wollte an der Leine gar keinen Kontakt mehr. Wir verfuhren weiter nach dem Prinzip der Bestrafung und machten ihm so die Hunde noch unangenehmer. Sammy wechselte hilflos in die Verteidigung und sprang kläffend und knurrend in die Leine. Er wirkte so natürlich auf andere Menschen alles andere als unsicher und „nur“ frustriert. So entstand ein Kreis. Sammy wollte sich die Hunde auf Abstand halten, kläffte und wir schrien hilflos auf ihn ein und zogen an der Leine rum. Das „Rangordnungsprinzip“ dabei im Hinterkopf machte uns wahnsinnig, weil wir immer der Meinung waren, dass Sammy uns nicht akzeptiert und sich unseren Kommandos widersetzt. Dies machte uns natürlich noch unentspannter und derber im Umgang mit ihm. Es wurde immer schlimmer und wir entschieden uns, leider viel zu spät, für „fachkundige Hilfe“. Wir landeten bei einer Trainerin, die ebenfalls das „Rangordnungsprinzip“ predigte und sie war der Meinung, dass Sammy ein Dominanzproblem hätte. Wir müssten ihm das Scharren in unserer Gegenwart verbieten und unseren Alltag umstellen (Dominanzregeln á la „Ich geh vor dir durch die Tür etc.). Ich versuchte mit meinen laienhaften Erklärungen klar zu machen, dass Sammy alles ist, aber kein souveräner Hund.
Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich eigentlich nicht der Typ Mensch wäre, der Hunde „unterdrückt“. Ich wollte dieses Rangordnungsdenken loswerden und statt dessen die Hintergründe verstehen lernen. Es machte mich kirre immer zu denken, der Hund wolle mich „dominieren“ und es entsprach nicht meinen moralischen Prinzipien den Hund zu einem „unterwürfigen Sklaven“ zu machen. Ich wollte doch einfach nur wieder Spaß auf Spaziergängen und mit meinem Hund haben. Letztlich hatte ich das Gefühl eine unfähige Hundehalterin zu sein und verließ diese Hundeschule schon nach wenigen Treffen.
Ich durchwühlte das Internet nach Alternativen und stieß auf das Animal Learn-Netzwerk. Hier fand ich eine Trainerin in unserer Nähe und wir machten gleich einen Termin. Ich hätte diese Frau am liebsten umarmt, als wir das Gespräch beendeten. Ich war so glücklich, dass es Trainer gab, die meinen Vorstellungen von Hundeerziehung entgegen kamen. Natürlich machte uns auch diese Trainerin klar, dass wir viele viele Dinge falsch gemacht haben. Allerdings war alles plausibel und nachvollziehbar. Und plötzlich musste ich mich nicht mehr schämen, weil ich meinen Hund nicht auf den Rücken werfen und ihn anschreien wollte. Mein Selbstbewusstsein in Sachen Hund kam zurück und Sammy und ich fühlten uns wohl bei dem, was wir taten. Es war ein Gefühl, welches ich gar nicht beschreiben kann. Noch heute gehe ich manchmal mit ihm durch die Felder und freue mich einfach nur darüber, dass wir beide diesen Weg gegangen sind.

Dennoch mussten wir uns sein Vertrauen hart erarbeiten. Wir haben ihm nie das Gefühl gegeben, dass er sich auf uns verlassen kann und seine „Unsicherheit“ noch bestraft. Nun musste er erst lernen, dass wir nicht mehr die unsouveränen Menschen sind, die hilflos schreiend über ihn gebeugt stehen. Wir arbeiteten an unserer Körpersprache und unserer Geduld. Auch wir sind nur Menschen und machen bis heute Fehler. Wir arbeiten nun alle gemeinsam und freuen uns über jeden kleinen Fortschritt. Natürlich gestaltet die fehlende Stressresistenz das Ganze schwieriger, aber ich arbeite lieber 3 Jahre an diesem Problem und behebe die Ursache, als nach der „konventionellen Schiene“ nur die Symptome verschwinden zu lassen. Diese Entscheidung muss jeder Hundebesitzer selbst für sich treffen. Mittlerweile bringt es mir richtig Spaß manche Spaziergänge zu „Trainings“ zu machen und jeden Fort- und Rückschritt zu durchleuchten.

Bei Verwandten und Freunden hatte Sammy schnell einen Stein im Brett. Die einen lieben sein „schelmisches Aussehen“, die anderen mögen ihn, weil er einfach so „durchgeknallt“ ist. Menschen gegenüber ist Sammy total aufgeschlossen und aufmerksam. Die Menschen lachen sich immer tot, wenn er einfach nur stehen bleibt und sich die Menschen ganz entspannt und interessiert anguckt. Besonders spannend findet er Bauarbeiter. Wenn ich ihn nicht ansprechen würde, würde er stundenlang an Baustellen stehen und den Leuten beim Arbeiten zugucken. Er ist halt etwas ganz Besonderes :)

Sein liebstes Hobby ist das Buddeln. Manchmal ist er total weggetreten und erschreckt sich dann, wenn man ihn von hinten antippt, weil man vorher schon dreimal gerufen hat. Er bekommt dann einfach nichts mehr mit. Ich glaube es könnte ein Trecker an ihm vorbei fahren und er würde weiter buddeln. Er hat in den letzten zwei Jahren wirklich ganz viele Tricks gelernt und hat großen Spaß an der Nasenarbeit. Fährten und (absichtlich) verloren gegangene Gegenstände suchen sind definitiv seine Stärken. Natürlich wird auch mal ein Ball geschmissen ;)

Ich könnte ewig weiter schreiben. Sammy ist für uns alle ein wunderbarer Hund, der uns viel beigebracht hat. Wir sind ihm auch dankbar, dass er uns unsere Fehler „verziehen“ hat. Wir lieben seine „Macken“ und freuen uns auf die noch kommenden Jahre mit ihm.